Vorsicht Deutschland – Tore statt Worte

WM Südafrika: Nur der Sieg gegen Argentinien bringt Deutschland weiter und da zählen nur  Tore.

 

Statt auf dem Platz mit dem Ball übt Bastian Schweinsteiger jedoch in der Presse das Angriffsspiel mit Worten. Provokationen, Schiedsrichter-Beeinflussung, Theatralik und Unsportlichkeit hat er Argentiniens Team vor dem Viertelfinale vorgeworfen. Er unterstellte einer ganzen Nation sogar Charakterschwäche. „Wie man hört, setzen sie sich im Stadion zusammen, obwohl sie für andere Plätze Karten haben. Das zeigt den Charakter und die Mentalität.“ äußerte er in einer Pressekonferenz. Bei der WM 2006 Deutschland gegen Argentinien hatte es nach dem Abpfiff des Viertelfinales Tumulte und Rangeleien unter den Spielern gegeben, in deren Folge Torsten Frings für das Halbfinale gegen Italien gesperrt wurde. Schweinsteiger war auch dabei und hat dieses Spiel mit seinen Vorwürfen wieder in Erinnerung gebracht.

 

Doch wenn derart ein ganzes Land in Verruf gebracht wird, muss man sich nicht wundern, wenn es zu Reaktionen kommt, die nicht gefallen. Und sportlich ist das schon allemal nicht. Eher verstellt das den Blick auf die heutige Situation mit einer ganz anderen argentinischen Mannschaft und einem völlig unkonventionellen Trainer Maradona, der in seiner Wirkung und seinem taktischen Geschick nicht einzuordnen ist.

 

Starker Angriff, schwache Defensive

Die jetzige argentinische Mannschaft ist mit der alten von 2006 nicht zu vergleichen, und man sollte sie nicht unterschätzen.

Nach dem souveränen 4:1 – Sieg der deutschen Mannschaft über England kommt nun ein Gegner, der bisher alles sicher gewonnen hat und eigentlich noch nicht richtig gefordert wurde. Während Englands alte Herren die Schnelligkeit des Ballspiels und der Gegenspieler nicht mehr so vertragen konnten, ist da die junge Argentinische Truppe mit dem Weltstar Messi schon wesentlich angriffsfreudiger und gefährlicher. Dabei ist Messi nicht der einzige Spitzenspieler in der Truppe. Die argentinische Offensive verfügt neben Lionel Messi (FC Barcelona)auch über  Gonzalo Higuaín (Real Madrid) und Carlos Tévez (Manchester City). Alle sind Offensivspieler der Extraklasse, jeder von ihnen kann ein Spiel entscheiden. Sich nur auf Messi zu konzentrieren, wäre ein Riesenfehler der  deutschen Abwehrspieler.

 

Dagegen ist die argentinische Defensive für ihre Schwäche bekannt und könnte letztlich den Ausschlag für den Ausgang des Spiels geben. Martin Demichelis ist immer für ein Eigentor gut

und hinten links spielte Gabriel Heinze bislang nicht besonders stark. Auch Nicolás Otamendi auf der rechten Abwehrseite überzeugt nicht.

Auch dem Torhüter Sergio Romero vom AZ Alkmaar wird eine häufige Unsicherheit nachgesagt.

 

Was wird den Ausschlag geben?

Wie gegen England deutlich wurde, kann ein Gegentor die deutsche Mannschaft schon aus den Tritt bringen und in kürzester Zeit weitere nach sich ziehen. So ist es wichtig, möglichst bald gegen Argentinien ein frühes Tor zu erzielen und in der Hintermannschaft die nötige Sicherheit zu bekommen. Die schnellen Konter der Argentinier werden der mitunter schwachen deutschen Deckung manche Probleme bringen und sind immer für Tore gut. Gerade die Südamerikaner sind für ihre Dribbelstärke bekannt und die frühere Abschlussschwäche gibt es so auch nicht mehr. Mit Tévez verfügt die Mannschaft zusätzlich über einen Spieler, der auch aus der Distanz sichere Tore erzielen kann. Wahrscheinlich kann das Spiel für Deutschland erst im letzten Drittel entschieden werden, wenn die konditionellen Vorteile

 

Was die Mannschaft mit ihrem eigenwilligen Trainer Maradona tatsächlich leisten kann, ist sehr schwer einzuschätzen. Mit Sicherheit kann er seine Truppe begeistern und hat wider alle Erwartungen eine geschlossene und begeisterungsfähige Mannschaft geschaffen, die an den Sieg gegen Deutschland glaubt. Wenn Messi, Higuaín und Tévez wie gegen Mexiko sogar schlecht spielen und trotzdem lässig gewinnen – warum sollen sie nicht diesmal etwas besser spielen und wieder gegen Deutschland gewinnen wie kürzlich beim 1:0 in München?

 

Nur der Sieg bringt Deutschland weiter

Es wird für die deutsche Mannschaft gegen Argentinien nicht so leicht werden wie gegen England. Nur die Leistung auf dem Platz zählt und gegen Argentinien darf es nicht so einen Leistungseinbruch geben wie gegen Serbien. Bei dem starken Angriff der Argentinier ist mit mindestens einem Gegentor zu rechen. Wenn Deutschland gewinnen sollte, werden die konditionellen Vorteile sicher den Ausschlag geben. Die Chancen der deutschen Mannschaft ergeben sich jedenfalls auf dem Platz und nicht in Pressekonferenzen. Hoffen wir, dass die Serben bald sagen können, dass sie die einzige Mannschaft ist, die den Weltmeister von 2010 besiegt hat. Jedenfalls sind über 70 % aller Leser der SZ sicher, dass Deutschland gegen Argentinien gewinnen wird.

 

Das Spiel:      Argentinien – Deutschland

Anstoß:           Sa., 03.07.2010 um 16:00 Uhr im Green Point Stadion

Bilanz:             Arg. = 8 Siege, 5 Unentschieden, D = 5 Siege, Tore: Arg. = 25, D = 23

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