Urkunde im Historischen Rathaus überreicht

Minden. „Reformationsstadt Europas“ darf sich Minden seit dem 23. August 2016 offiziell nennen. An einem historischen Tag, dem 70. Geburtstag des Bundeslandes Nordrhein-Westfalens, erhielten Bürgermeister Michael Jäcke und der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Minden, Jürgen Tiemann, die Urkunde für die Nutzung des geschützten Titels. Für die persönliche Übergabe war Pfarrer Dr. Bernd Jaeger von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien nach Minden gereist. Er überbrachte die Grüße vom Generalsekretär der GEKE, Bischof Michael Bünker, und hob – mit Blick auf das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ im kommenden Jahr – hervor, dass vor allem die Städte die Dreh- und Angelpunkte für den entstehenden Aufbruch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren.

 

„Minden hat eine bedeutende Reformationsgeschichte vorzuweisen“, strich Bürgermeister Michael Jäcke in seiner Begrüßung bei einem Empfang anlässlich der Urkundenübergabe im Rathaus heraus. In Minden wurde 1530 – gleichzeitig mit der Kirchenordnung – auch eine Schulordnung vom Prediger Nikolaus Krage erlassen, die Bildung unabhängig vom jeweiligen Stand ermöglichte. Noch im gleichen Jahr sei das jetzige Ratsgymnasium ins Leben gerufen worden. „Wir tragen den reformatorischen Gedanken immer noch in uns“, so der Bürgermeister weiter. Minden sei eine weltoffene und tolerante Stadt in der Chancengleichheit und Bildung eine große Rolle spiele. Deshalb sei es „eine Ehre, diesen Titel jetzt und auch künftig führen zu dürfen“, was auch Superintendent Jürgen Tiemann unterstrich.

 

Pfarrer Dr. Bernd Jaeger freute sich, die Urkunde im Historischen Rathaus überreichen zu können, weil dieses bereits im 13. Jahrhundert „als Ausdruck eines selbstbewussten Bürgertums“ direkt an die Grenze des damaligen Dombezirkes gebaut worden sei. Er erinnerte auch an die Bewegung „der 36er“, 36 mutige und etablierte Bürger, die sich 1529 für die Umsetzung der Reformation in Minden einsetzten und den inhaftierten Pfarrer Heinrich Traphagen aus dem Kerker befreiten. Jaeger hob hervor, dass die Reformation maßgeblich dazu beitrug, Bürger zum Lesen und Schreiben zu führen, die deutsche Sprache zu etablieren und den Buchdruck zu fördern. Er ließ aber auch nicht aus, dass der in den Städten begonnene Aufbruch nicht spannungs- und konfliktfrei verlief.

 

Bereits in den 1520er Jahren hielten der Geistliche Albert Nisius an St. Marien und der zum Pfarrer berufene Heinrich Traphagen an St. Simeonis Predigten mit reformatorischen Inhalten. Das rief Superintendent Jürgen Tiemann in Erinnerung. Mit der in Minden erlassenen Kirchen- und Schulordnung wurde reformatorisches Gedankengut Grundlage der Aufklärung in späteren Jahrhunderten. „Minden hat 1529 und 1530 eine wichtige Rolle eingenommen“, so Tiemann. In Erinnerung an den 100 Jahre später folgenden 30-jährigen Krieg mahnte Tiemann „dass wir alle gerufen sind, den Frieden als das höchste Wohl anzusehen“. Dafür sowie auch für Integration und Inklusion sollten sich die Mindener einsetzen. Deshalb habe der Evangelische Kirchenkreis für das Projekt „Europäischer Stationenweg“ auch das Motto „Nicht ohne Dich“ gewählt.

 

Mit Schreiben vom 26. April 2016 erhielt Minden von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) die Nachricht, dass sie den Titel „Reformationsstadt Europas“ erhält. Die Stadt hatte sich per Ratsbeschluss (Ratssitzung am 4. Februar) darum beworben und darf das gesetzlich geschützte Label auch über das Reformations-Jubiläum 2017 hinaus nutzen. Am 23. August gab es aktuell 62 Städte in 13 Ländern, die Reformationsstadt sind. Sechs weitere folgen in Kürze, wie Pfarrer Dr. Bernd Jaeger ankündigte.

 

Der Titel „Reformationsstadt Europas“ steht auch in Zusammenhang mit dem Projekt „Europäischer Stationenweg“ zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017. Herausragend für die Vergabe des Titels an Minden sei aber die bewegte Reformationsgeschichte der Stadt gewesen, wie Pfarrer Jaeger von der GEKE betonte.

 

Minden ist als einzige Stadt in Westfalen Teil des „Europäischen Stationenweges“, der Anfang November in Genf startet und am 20. Mai 2017 in Wittenberg endet. Vom 25. bis 27. November macht das Stationenmobil Halt auf dem Martinikirchhof. Umrahmt wird der Besuch von einem Programm mit Konzerten, Vorträgen und Lesungen, das bereits im September beginnt. 68 Städte in 19 Ländern werden angefahren. Von jeder Station wird ein Transparent mitgenommen. Alle 68 zusammen sollen am Ende in Wittenberg ihre besondere Botschaft verbreiten.

 

 

Bildquelle: Pressestelle Stadt Minden
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