Suche nach enteignetem Kunstgut

Hannover. Die Landeshauptstadt hat 2008 eine Stelle für die Provenienzforschung zum städtischen Kunstbesitz eingerichtet, um aus eigener Initiative heraus die Suche nach während der NS-Zeit unrechtmäßig enteignetem Kunstgut vorzunehmen – zunächst als halbe, seit 2011 als volle Stelle. Den aktuellen Stand der Recherchen und Provenienzforschung zum Kunstbesitz der Landeshauptstadt Hannover haben heute (12. September) Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann, die städtische Provenienzforscherin, Dr. Annette Baumann, und Dr. Carola Schelle-Wolff, Leiterin Fachbereich Bibliothek, Schule, Museen und Kulturbüro vorgestellt.

 

Im Zentrum der hannoverschen Forschungen steht die 1949 und in den Folgejahren durch die Landeshauptstadt angekaufte Kunstsammlung von Dr. Conrad Doebbeke aus Berlin. Es handelt sich um etwa 120 Werke der Klassischen Moderne. Die Bilder befinden sich heute im Sprengel Museum Hannover sowie im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, wo seit den 1920er Jahren die Städtische Galerie beheimatet ist.

 

Die im Zusammenhang mit den damaligen Ankaufsverhandlungen entstandenen Korrespondenzen und Dokumente zum Erwerb Doebbeke liegen an unterschiedlichen Orten (Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, Stadtarchiv Hannover und Hauptstaatsarchiv Hannover). Die Forschungen zu diesem Erwerb, der Sammlung und Person dauern an. Sie sollen voraussichtlich 2014 unter Beteiligung von externen Forschern im Rahmen einer Publikation zugänglich gemacht werden.

 

Seit 2008 haben die Stadt Hannover sechs Anfragen über Rechtsanwaltsbüros erreicht. Davon konnten drei geklärt werden, bei drei Fällen dauern die Forschungen an – daher werden diese Anfragen vertraulich behandelt.

 

Zur aktuellen Provenienzforschung in den städtischen Museen sind zwei Ausstellungsprojekte zu nennen:

 

1. Museum August Kestner:
Im Zusammenhang mit den Forschungen zur Ausstellung „BürgerSchätze. Sammeln für Hannover“, die seit gestern im Museum August Kestner gezeigt wird, sollen einige Anfang der 1940er Jahre unrechtmäßig enteignete Objekte bei der Koordinierungsstelle für Kulturgüterverluste Lost Art in Magdeburg online veröffentlicht werden, da es bislang nicht gelungen ist, rechtmäßige Erben oder Nachfolgeberechtigte ausfindig zu machen. Hierzu gehört die 1942 im Museum August Kestner inventarisierte Münzsammlung des Arztes Dr. Albert David aus Großburgwedel sowie ein Rokokoschrank aus dem Eigentum Klara Berliners aus Hannover.

 

2. Sprengel Museum Hannover:

Über den durch die Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und -forschung (AfP) in Berlin organisierten Forschungszusammenschluss konnte ein Ausstellungsprojekt „Alfred Flechtheim.com – Kunsthändler der Moderne“ angestoßen werden, an dem sich insgesamt 15 Museen aus Deutschland und der Schweiz, darunter das Sprengel Museum, beteiligen. In der städtischen Sammlung befinden sich auch durch die Schenkung der Sammlung Bernhard und Margrit Sprengel vier Werke, die über die Berliner Galerie Flechtheim gehandelt wurden beziehungsweise sich dort zeitweise befanden. Sie werden ab dem 11. Oktober 2013 ausgestellt und ihre Beziehung zur ehemaligen Galerie Alfred Flechtheim beziehungsweise die Ankaufswege erläutert. Die Erwerbswege dieser Bilder sind geklärt. Sie sind rechtmäßig im Eigentum der Landeshauptstadt Hannover.
Eine für alle beteiligten Museen entstandene Website wird ab dem 9. Oktober 2013 der Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Koordinierung des Projektes wurde mit Bereitstellung von personellen Mitteln über die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen übernommen.

 

Bildquellennachweis: Landeshauptstadt Hannover
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