Projekt “Städte wagen Wildnis”

Hannover. Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) beteiligt sich an dem Projekt „Städte wagen Wildnis“, das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert wird. Ziel ist es, die innerstädtische Artenvielfalt zu erhöhen, die Natur in der Stadt zu stärken und sie für ihre BewohnerInnen erlebbar zu machen.

 

Konkret bedeutet Wildnis in der Stadt, einen Lebensraum für verschiedene Tiere und Pflanzen zu schaffen, die sich ohne menschliches Zutun ansiedeln und weiterentwickeln können. Diese „Natur der vierten Art“ ist von besonderem Interesse für den Schutz von Arten und Lebensräumen. Gerade durch die nicht absehbaren klimatischen Herausforderungen mit Hitzeperioden, warmen Wintern und starken Niederschlägen ist eine Diversifizierung der Freiflächen und ihrer Pflegemethoden zwingend erforderlich.

 

Elf „Suchräume“ ausgewählt

Innerhalb des hannoverschen Stadtgebiets wurden elf Projektflächen, sogenannte „Suchräume“, ausgewählt. Es handelt sich um zwei Flächen in der Eilenriede, mehrere derzeit intensiv gepflegte Grünflächen und Grünverbindungen sowie nicht mehr nutzbare Kleingärten. Die Verschiedenartigkeit der Flächen bietet die Chance, unterschiedliche Ansätze des Umgangs mit urbaner Wildnis zu erproben.

 

Geplant sind unter anderem Erstpflanzungen mit gebietsheimischen Gehölzen, Beweidung auf zwei Standorten und der Bau einzelner Erlebniswege. Ansonsten werden auf den Projektflächen die pflegerischen Eingriffe künftig auf das Nötigste reduziert.

 

Die ersten Maßnahmen starten im Herbst in Badenstedt. Auf einer bisher brach liegenden Wiesenfläche wird ein Weidezaun errichtet, damit dort in Zukunft eine extensive Beweidung durch Galloway-Rinder stattfinden kann. Auf einer Fläche an der Stadtbahnhaltestelle „Im Mittelfelde“ wird ein Kunstprojekt die Wildnis-Entwicklung am Grünberger Weg in Szene setzen. Dort wurde bereits vor einiger Zeit ein Blühstreifen entlang des Zugangs zur Haltestelle verwirklicht, der die Wartenden über das Jahr hinweg mit Wildblumen erfreut.

 

Maßnahmen zur Teilhabe der Bevölkerung

 

Weitere konkrete Maßnahmen für die anderen Suchräume werden in den kommenden Monaten entwickelt. Um die Bevölkerung aktiv an den einzelnen Maßnahmen teilhaben zu lassen, sind unter anderem Kunstaktionen, Naturspaziergänge und Mitmachaktionen vorgesehen. Im Frühjahr 2017 startet in Kooperation mit der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule eine Vortragsreihe, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Wildnis nähert.

 

Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium begleitet und BfN über fünf Jahre gefördert. Die Projektausgaben in Hannover betragen rund 1.348.000 Euro. Davon gibt der Bund gut 964.000 Euro als Fördermittel, rund 384.000 Euro bringt die LHH als Eigenanteil in das Projekt ein. Zusätzliche Kosten entstehen der Stadt dadurch nicht, weil es sich im Wesentlichen Personalkosten handelt, das Personal aber ohnehin vorhanden ist.

 

Das Projekt wird vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün umgesetzt und ist Teil des hannoverschen Gesamtprogramms „Mehr Natur in der Stadt“. Neben der LHH sind die Städte Frankfurt und Dessau-Roßlau, verschiedene Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie der Verein BioFrankfurt e.V. beteiligt. Weitere Informationen zu dem Projekt sind im Internet unter http://biologischevielfalt.bfn.de/25331.html zu finden.

 

Hintergrund: Biodiversität in Hannover

 

Seit vielen Jahren verfolgt die LHH erfolgreich eine kommunale Biodiversitätsstrategie, die Lebensräume schützen und die Artenvielfalt fördern soll. Bereits 2011 konnte die Stadt Hannover im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs überzeugen und die Auszeichnung „Bundeshauptstadt der Biodiversität“ erhalten. Die Landeshauptstadt ist seit 2012 zudem Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“.

 

Bildquelle: pixabay.de
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