Mindener Containerhafen an Kapazitätsgrenze

Minden. „Mehr geht nicht“ heißt es bald im Mindener Containerhafen. Stellflächen für Container und Bewegungs-Raum, den die mobilen Umschlagsgeräte (Reach-Stacker) benötigen, sind „an der absoluten Kapazitätsgrenze“, so der Geschäftsführer der Mindener Hafen GmbH, Joachim Schmidt. Die in TEU (Twenty-Foot Equivalent Unit) gemessene Be- und Entladung von Containern hatte in Minden bereits Ende Oktober 2014 die Zahl aus dem bislang umschlagsstärksten Jahr 2012 übertroffen. 111.472 TEU wurden bis zum 31. Oktober in Minden umgeschlagen, 2012 waren es insgesamt 110.198 TEU.

 

Zum Jahresende werden hochgerechnet 126.500 TEU in der Statistik stehen. „Das ist das Ende der Fahnenstange“, macht Joachim Schmidt deutlich. Die Hafen-GmbH dürfe daher – nach vielen Jahren mit zweistelligem Wachstum – im kommenden Jahr nur von einem ähnlichen, stabilen Umschlagsvolumen ausgehen, welches sich aber „auf einem hohen Niveau“ befindet. „Damit haben wir vor zwölf Jahren nicht gerechnet“, so Schmidt. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrisen verzeichnete der 2002 eingerichtete Hafen ein ständiges Plus im Containerumschlag. Sechs Züge und fünf Schiffe aus Hamburg und Bremerhaven kommen derzeit wöchentlich in Minden an. Lediglich einen weiteren Zug mit Containern könnte der Hafenbetrieb noch verkraften. „Weitere Aufträge dürften bis zur Fertigstellung des geplanten, neuen Hafens am Mittellandkanal nicht angenommen werden“, macht der Geschäftsführer deutlich. Und Interessenten gibt es einige.

 

Die Hafen GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, betreibt mit derzeit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Zwei-Schichtbetrieb den Umschlag am Standort Industriehafen. Was ihn in der Region einmalig macht, ist die Trimodalität: Der Mindener Containerhafen kann per Schiff, Bahn und Straße erreicht werden. Die dort per Schiene oder Lkw anlandenden Container werden auf Schiffe geladen. Mit dem Schiff ankommende Einheiten gehen weiter per Bahn oder Lkw an ihre Empfänger. Gefüllt sind die weltweit einheitlich genormten Fracht-Boxen in Minden unter anderem mit Haushaltsgeräten, Tiefkühlwaren, Papier, Waren für Tierbedarf und Metall-Schrott.

 

Kapazitätsprobleme, aber auch die seit einigen Jahren vermehrt gebauten Großgüter-Motorschiffe (GMS) mit 110 Metern Länge, die den jetzigen Hafen-Standort aufgrund der zu kleinen Schleusen in Minden nicht erreichen können, waren der Grund für die mittlerweile fortgeschrittenen Pläne, direkt am Mittellandkanal einen neuen Containerumschlagplatz zu schaffen, erläutert Malte Wittbecker von der Geschäftsstelle des Planungsverbandes. Dieser wurde vom Landkreis Schaumburg (Niedersachsen) und dem Kreis Minden-Lübbecke, sowie von den Städten Bückeburg und Minden im Jahr 2009 gegründet.

 

Der RegioPort Weser soll in Minden-Päpinghausen und „Ländergrenzen grenzübergreifend“ auf dem Gebiet der Stadt Bückeburg in Berenbusch entstehen. „Wir gehen davon aus, dass im 2. Quartal des kommenden Jahres der Bebauungsplan rechtskräftig ist“, so Wittbecker. Damit bestünde Baurecht für den ersten Bauabschnitt, der die Umschlag- und Stellflächen für Container umfasst. Der Geschäftsführer der Hafen-GmbH, Joachim Schmidt, geht von einer rund 20-monatigen Bauzeit ab Baubeginn aus. „Wenn der neue Hafenstandort in Betrieb geht, ist in jedem Fall auch die neue Schleuse fertig, die der Bund derzeit am Wasserstraßenkreuz baut“, ergänzt Andreas Chwalek, Wirtschaftsförderer bei der Stadt Minden.

 

Das Projekt RegioPort Weser wird mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Kombinierter Verkehr“ des Bundes zu 78,9 Prozent gefördert. Dieses Programm unterstützt Projekte, die alternative und kombinierte Transportwege beschreiben. „Vor allem die Wasserstraßen haben noch ausreichend Kapazitäten“, macht Schmidt deutlich.

 

Der Containerumschlag verzeichnet weltweit seit vielen Jahren einen riesigen Boom. Nahezu 90 Prozent aller Waren werden mittlerweile in Containern transportiert, die meist über die Seehäfen umzuschlagen sind. Von dort aus werden sie per Schiff, Bahn oder Lkw ins Binnenland weitertransportiert. Die Lagerflächen in den Überseehäfen sind begrenzt, deshalb muss der Weitertransport möglichst zeitnah erfolgen. Nach Minden besteht über die Weser (von Bremerhaven) oder über die Elbe und den Mittellandkanal (von Hamburg) eine gute wasserseiteige Anbindung. Über die Schiene bestehen überdies schnelle Verbindungen von und zu den norddeutschen Seehäfen.

 

Bildquelle: Pressestelle Stadt Minden
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