Ausgeraucht

(HN): Viele Wirte zeigen Flagge: Rauchfrei in vielen Gaststätten und trotzdem gehen alle hin.  
  

Natürlich weiß jeder, dass Rauchen ungesund ist. Trotzdem fangen 70% der Raucher selbst nach einem Herzinfarkt wieder mit Rauchen an. Jeder Raucher behauptet, den Genuss der Zigarette vor und nach dem Essen besonders zu schätzen und zum Bier oder Korn würde sie besonders gut schmecken. Das kann der Geschmacksnerv der Nichtraucher jedenfalls nicht bestätigen. Auch wenn die Raucher nur 25 % der Bevölkerung ausmachen,glauben sehr viele, dass die Mehrheit der Restbürger ihnen das nicht gönnt und sie wollen sich durch ein Gesetz nicht bevormunden lassen. So wie viele Raucher kein Verständnis für die Einschränkungen durch das neue Rauchverbot aufbringen, können sie sich auch ebenso nicht vorstellen, dass das Mitrauchen nicht gerade angenehm ist für jemand, der seine Lunge hauptsächlich auf Sauerstoff eingestellt hat und nach dem Gaststättenbesuch seine Kleidung auch am nächsten Morgen noch gerne rauchfrei hätte.

 

Also sind die Fronten meistens ziemlich klar. Die Wirte haben Angst um ihren Umsatz, da sie Alkohol und Nikotin als untrennbar betrachten und den Gaststättenbesuch ohne Rauch als unvereinbar mit ihren Umsatzzahlen sehen. So warten sie auf das Gesetz, um bei Vorwürfen der Raucher die Schuld für das Rauchverbot dem Gesetzgeber zuzuschieben, selbst wenn sie in ihrer inneren Überzeugung das Rauchverbot vom Grundsatz befürworten, es aber aus Umsatzgründen für nicht akzeptabel halten.

 

Rauchfreie Gastronomiebetriebe
Da wurde es nun wirklich Zeit, dass einige Wirte nicht mehr abwarten, bis das neue Gesetz endlich greift, sondern schon vorausschauend und mutig das Verbot in die Tat umgesetzt haben.
Seit Ostern darf in den Räumen der Pizzaria „Pizza Inn“ an der Königstraße 146 in Minden nicht mehr geraucht werden. Vorausgegangen war eine lange Diskussion mit dem Inhaber Pepino (Giuseppe) Mosca, der natürlich Bedenken hatte, ob seine rauchenden Stammgäste trotzdem bleiben würden. So gibt es schon einige, die erst einmal weg bleiben und es kommt vor, dass einige, die das Rauchverbot ignorieren wollen, beleidigt gehen, wenn sie nicht rauchen dürfen. Andererseits haben nichtrauchende Stammgäste auch klar gemacht, dass sie nicht mehr kommen, wenn sie weiter so zugequalmt werden.

 

Erfahrungen aus dem Ausland belegen, dass der größte Teil der Raucher meistens nach einiger Zeit zurück kommt und sich an die neuen Regeln hält.

 

Dabei gibt es raucherlose Gastronomie schon länger im Mindener Umfeld: An der Kaffebar bei Hagemeyer in Minden durfte noch nie geraucht werden und dort brummt der Laden. Im neuen Café Bertermann in Petershagen besteht von Anfang an ein Rauchverbot. Auch das Bistro „Erste Sahne“ an der Königstraße in Minden hat seine Raucherzone aufgegeben ohne dauerhaft Einbußen deswegen feststellen zu können.

 

Verschiebungen in der Gastronomie
Unzweifelhaft wird das Rauchverbot zu Verschiebungen bei der Struktur der Gaststättenbesucher führen. Das hängt schon damit zusammen, dass bestimmte Gruppen eher in Gaststätten gehen als andere und dabei noch zu unterscheiden ist, welche dabei eher zu den Rauchern zu rechnen sind. So sind Geschiedene mit 50% der Männer und 38% der Frauen stärkste Gruppe, gefolgt von den ledigen Männer mit 38% und 29% Frauen. Verheiratete rauchen mit 24% weniger als der Bundesdurchschnitt mit 27%. Ebenfalls steigt die Raucherquote mit sinkendem Einkommen und geringerer Bildung, ermittelte das Robert Koch Institut.
Das Rauchverbot wird somit am Anfang eher die Gastronomie negativ treffen, die auf diese Klientel ausgerichtet sind, wie Bars und kleine Kneipen, während Restaurants und Cafés eher mit steigenden Zahlen rechnen können, da insbesondere Familien und Bürger mit höherem Einkommen diese frequentieren. So geht der Hotel- und Gaststättenverband davon aus, dass die Umsatzentwicklung der gesamten Branche weiter nach oben geht. Probleme wird es eher bei der „getränkegeprägten Gastronomie“ geben.

 

Weniger Herzinfarkte
 Auch wenn die einzelnen Länder aufgrund ihrer Länderhoheit bei diesem Gesetz beim Rauchverbot keine einheitliche Linie haben und einen Flickenteppich von unterschiedlichen Bestimmungen vorgelegt haben, so ist die Haltung der Bundesregierung, hier das Gesundheitsministerium, eindeutig: „Die Verringerung des Tabakkonsums und ein möglichst umfassender Schutz vor den Gefahren der Passivrauchens sind vordringliche gesundheitspolitische Ziele“.

 

Andere Länder sind da schon viel weiter und haben klare und strenge Nichtrauchergesetze vorgelegt. In Italien darf seit 2005 und in Irland seit 2004 nicht mehr in der Öffentlichkeit geraucht werden. Das hat auch seinen Sinn. Wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen, sind dort die Herzinfarkte und Herzkreislauferkrankungen deutlich zurück gegangen. Seit den drei Jahren Rauchverbot sind in Italien bei den 35 bis 64 jährigen 11 %, bei den 65 bis 74jährigen noch 8% weniger Herzinfarkte zu verzeichnen. In Irland ging die Zahl der Infarkte seit 2004 um 11%, in Schottland innnerhalb von 10 Monaten um 17% und in Frankreich um 15% zurück.

 

Für viele Nichtraucher ist das Rauchverbot ein Grund, wieder in eine Gastronomie zu gehen und diese Gruppe macht immerhin den größten Teil der Bevölkerung aus. Dazu kommt, dass mehr als 80% für ein Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Einrichtungen, am Arbeitsplatz, in Restaurants, Bars und Kneipen plädieren. Also auch ein guter Teil der Raucher selbst.

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