„Das neue Wir“

Minden. Musik, Essen, Aktionen, Gespräche und Begegnungen für alle Generationen am 12. Februar 2017. Die Stadt Minden beschreitet neue Wege in der Planung einer Veranstaltung für alle Mindener*innen. Damit zusammenhängend kann das Stadttheater vom 10. bis 12. Februar eine besondere Premiere feiern: Drei Tage stehen hier unter dem Titel „Das neue Wir“ unter anderem Kultur, Aktionen, Gespräche und Begegnungen auf dem Programm. Das Theater ist für ein Wochenende Treffpunkt, Schauplatz und Forum zugleich. Am Freitag, 10. Februar, wird es einen „Markt der Kulturen“ und ein Weltcafé im TiC geben. Für den Samstag, 11. Februar, sind Präsentationen auf der Bühne und Workshops vorgesehen. Für den eigentlichen Konvent am Sonntag, 12. Februar, gab es aber bis zum vergangenen Wochenende kein konkretes Konzept – ganz bewusst.

 

„Hier wollten wir als Stadt neue Wege beschreiten“, erläutert die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit, Regina-Dolores Stieler-Hinz. Am Anfang der Idee, die Planung für eine große Veranstaltung zunächst völlig offen zu lassen, stand die sich durch Zuwanderung verändernde Stadtgesellschaft und das Thema Integration. Danach haben sich die Beteiligten der jüngsten Kulturklausur gefragt: „Was kann Kultur als Motor zu Integration und Teilhabe beitragen?“ Herausgekommen sei schließlich, das Stadttheater als „eigentlich etabliertem Ort“ für alle Einwohner*innen ein ganzes Wochenende lang zu öffnen – ein Vorschlag von Theaterleiterin Andrea Krauledat.

 

Als neue Frage warf sich sofort auf, „wie wir das denn planen wollen?“, berichtet Bildungsplaner Philipp Knappmeyer. Sonst agiere die Stadt bei neuen Konzepten meist mit so genannten Interessenvertretern. Das sollte für den Konvent zur „Stadtgesellschaft im Wandel“ nicht so sein. Kein runder oder eckiger Tisch mit den „üblichen Beteiligten“. Nach dem Beispiel so genannter „Citizen Panels“, die es als Beteiligungsinstrument in Großbritannien, den Niederlanden oder auch in Skandinavien seit vielen Jahren gibt – wurden acht Bürgerinnen und Bürger gezielt angesprochen. Zuvor sind bestimmte Profile – wie jung, ehrenamtlich engagiert, weiblich oder männlich, berufstätig und Familie – erstellt worden. Mehrere Bürger*innen wurden gefragt, ob sie Lust und Zeit haben, sich zwei Tage lang an der Planung eines Konvents zu beteiligen. „Diese waren relativ schnell gefunden“, so Knappmeyer. Am Ende fehlte dann noch die Entscheidung über die Methode, wie man sich der eigentlichen Veranstaltung und dem, was dort passieren soll, nähert.

 

Es wurde das „Design Thinking“ gewählt, „was eigentlich aus der industriellen Produktion kommt“, wie Moderatorin Angelika Liebrecht aus Hannover erläutert. Die Teilnehmer*innen der Planungsgruppe nehmen hierbei die Position der potenziellen Gäste eines solchen Konvents ein. Über allem stand die Frage: „Wie gelingt es, Jung und Alt, Familien, Alleinstehende, Alt-Mindener, Menschen mit Migrationshintergrund und angekommene Geflüchtete ins Stadttheater zu „locken“? Das war Neuland – nicht nur für die acht Bürger*innen und Bürger, die sich freiwillig bereit erklärt hatten mitzuwirken – sondern auch für die fünf begleitenden Verwaltungsmitarbeiter*innen und Stefanie Thomczyk von der Agentur „Go Between“.

 

Von eigenen Wünschen an Minden und an die Stadtgesellschaft und über erste Ideen, was es beim Konvent unbedingt geben muss, wurde zunächst ein Prototyp für die Veranstaltung am 12. Februar entwickelt. Mit diesem und der Frage „Was würden sie sich für einen solchen Konvent wünschen?“ konfrontierten die Teilnehmer*innen dann am Samstagvormittag eine Stunde lang zufällig ausgewählte Passantinnen und Passanten in der Fußgängerzone – auch das gehört zum „Design Thinking“. Auf Klemmbrettern wurden die neuen Ideen, Vorschläge, Meinungen und Anregungen festgehalten. „Dabei ist viel Neues hinzugekommen“, berichtet Philipp Knappmeyer in einem Pressegespräch am Samstag, 8. Oktober. Das wurde dann eingearbeitet.

 

Nachdem noch spezielle Profile für potenzielle Besucher*innen und deren mutmaßlichen Erwartungen gebildet wurden – wie die geflüchtete Familie, eine junge Frau oder eine deutsche Familie mit drei Kindern – stand am Ende ein grobes Konzept für den Konvent am 12. Februar. Es soll auf jeden Fall Musik, Aufführungen und spontane Life-Acts geben, ein internationales Büffet und am besten gemeinsame Koch-Aktionen.

 

Als wichtig festgehalten wurde, auch Möglichkeiten für Begegnungen zu schaffen, Gespräche zu bestimmten Themen zu führen (Stichworte: Stammtische oder Speed-Dating), eine Börse – für Jobs, Praktika und Angebote – auf die Beine zu stellen sowie viele Informationen zu Minden, den Angeboten, zu Projekten und Stadtentwicklung bereit zu stellen. Stadtbekannte Persönlichkeiten, Vertreter von Politik und Wirtschaft sollten eingeladen werden. Es muss unbedingt Mitmachaktionen, Spiele, eine Kinderbetreuung (zum Bespiel „das Spielmobil kommt) geben. Wünschenswert wären Dolmetscher*innen und ein Shuttle-Service, weil am Sonntag nur wenig Busse fahren.

 

Mit diesen erarbeiteten Inhalten machen die Bereiche Bildung und Kultur nun weiter. Unterstützt wird die Stadt hierbei von der Event-Agentur „Go Between“ aus Bochum. Dazwischen soll die Planungsgruppe noch einmal zusammenkommen. Alle versprachen in ihrem persönlichen Resümee am vergangenen Samstag „ordentlich die Werbetrommel“ für den Konvent am 12. Februar zu rühren sowie viele Bekannte, Freunde und die Familie dafür zu begeistern.

 

Mit dabei waren am 7. und 8 Februar in den Räumen von PariSozial die Bürger*innen Ruth Remmers (selbständige Rentnerin), Abubakr Usman (Nachhilfelehrer und vor 20 Jahren aus Ghana nach Deutschland gekommen), Viktor Giesbrecht (Küster von St. Martini und ursprünglich aus den ehemaligen GUS-Staaten), Gudrun Franzius (Ur-Mindenerin und engagiert in der Flüchtlingshilfe), Thomas Oellermann (Neu-Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderungen, engagiert unter anderem bei den Fittingen), Julia Paar (Lehramtsstudentin, engagiert in der Kinder- und Jugendarbeit), Ralf Begemann (EDV-Fachmann in einem Mindener Unternehmen und Familienvater) sowie Farid Abawi (Familienvater, vor 16 Jahren aus Afghanistan nach Minden gekommen). Von der Stadtverwaltung wirkten mit: Andrea Krauledat (Theaterleiterin), Viola Schneider (Theaterpädagogin), Deborah Hupe (Sozialarbeiterin im Bereich Jugendarbeit/Jugendschutz), Philipp Knappmeyer (Bildungsplaner) und Susann Lewerenz (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).

 

 

Bildquelle: Pressestelle Stadt Minden
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