Stadtgalerie Hameln hätte sich „insgesamt positiv“ auf die Innenstadt ausgewirkt

Minden. „Wir wollen nicht nur eine theoretische Diskussion führen, sondern uns einen eigenen Eindruck verschaffen. Das Beispiel Hameln ist bereits oft angeführt worden. Heute besteht für uns die Möglichkeit, dass wir uns ein Bild von der Hamelner Innenstadt machen und sehen, was sich hier verändert hat und was in Hameln los ist“, sagte Bürgermeister Michael Buhre in seiner Begrüßung auf einer Busfahrt, die am Samstag am ZOB von Minden aus startete.

 

Rund 60 Mindener waren dem Angebot zu einer Informationsfahrt der Stadt Minden in Kooperation mit dem Projekt-Entwickler ECE gefolgt. Hintergrund für die Fahrt sind Planungen von ECE, am Wesertor in Minden ein Einkaufcenter mit bis zu 23.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche zu errichten. Die Busfahrt beinhaltete einen Rundgang durch die Hamelner Stadtgalerie, die im März 2008 eröffnet wurde und von ECE betrieben wird, ein Vortrag und ein Bummel durch die Hamelner Fußgängerzone.

 

„Was hat Hameln geplant? Was ist daraus geworden? Was können wir von den Hamelner Erfahrungen für unser Projekt in Minden lernen?“ Das waren Fragen, die Bürgermeister Buhre zum Auftakt eines Vortrags an den langjährigen, ehemaligen Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Stadt Hameln, Wolfgang Kaiser, stellte. Kaiser berichtete von den Planungen in Hameln, von der Umsetzung und von der Entwicklung des Einzelhandels nach der Fertigstellung.

 

Kaiser kam insgesamt zu dem Ergebnis, dass sich die Einkaufsgalerie „insgesamt positiv“ auf die Innenstadt Hamelns ausgewirkt hat. Die 58.000 Einwohner zählende Stadt konnte in den vergangenen Jahren verlorene Anteile der Handelszentralität zurückgewinnen und den Einzugsbereich der Kunden, die aus dem Umkreis nach Hameln zum Einkaufen kommen, vergrößern. Hamelns Zentralitätskennziffer liegt mit einem Einzugsgebiet von rund 500.000 Einwohnern aktuell bei über 160, Mindens Ziffer bei derzeit nur bei 115. Die Kennziffer ist ein Maß für die Attraktivität eines Standortes als Einkaufsort. Sie gibt an, inwieweit der örtliche Einzelhandel in der Lage ist, überörtliche Kundschaft anzuziehen.

 

Ähnlich wie Minden hatte auch die Stadt Hameln den Leerstand einer Immobilie des Hertie-Konzern und eines Quelle-Technik Kaufhauses zu verkraften. Diese Problematik konnte aber mittlerweile unter anderem durch eine Investition des Unternehmens Rossmann teilweise gelöst werden. Leider sei, so Kaiser, auch in Hameln zu beobachten, dass Eigentümer in der Innenstadt die Wohnungen in den Obergeschossen vermehrt leer stehen lassen, weil die Vermietung der Ladenflächen im Erdgeschoss bereits ausreichende Erträge abwerfen. Auch gebe es in Hameln den Trend, dass vermehrt 1-Euro-Shops in die besten Lagen ziehen. Dies liege vor allem daran, dass diese Geschäftsmodelle die höchsten Renditen abwerfen und den Inhabern der Immobilien auch die höchsten Mieten garantieren.

 

Susanne Schubert, Centermanagerin der Stadtgalerie, ging in ihrem Vortrag auf das Einzelhandelsangebot im Center ein. Etwa 40 Prozent der Geschäfte würden durch regionale Einzelhändler betrieben und einige Händler seien sowohl in der Fußgängerzone, als auch im Center aktiv. Die Stadtgalerie ist Mitglied im Hamelner Stadtmarketing und engagiert sich zusammen mit den weiteren Einzelhändlern für die Hamelner Innenstadt.

 

Horst Wellner, Inhaber eines Modehauses in Hameln, berichtete über seine Erfahrungen seit der Eröffnung der Stadtgalerie. Die Stadtgalerie füge sich insgesamt gut in die Hamelner Innenstadt ein und habe die regionale Wettbewerbsfähigkeit des Hamelner Einzelhandels gestärkt, so der Unternehmer. Die Galerie habe allerdings auch zu einer Veränderung der Umsätze im Einzelhandel geführt. Seit der Eröffnung seien die Umsätze im Modehaus Wellner um etwa 15 Prozent zurückgegangen. Das Modehaus Wellner ist allerdings auch selbst mit zwei Markenstores im Center vertreten.

 

Anschließend meldete sich mit Dr. Klaus Peter Möller, Diplom-Volkswirt, ein Kritiker der Stadt-Galerie zu Wort. Einkaufcenter in der Größe der Stadtgalerie und des geplanten Centers in Minden seien schädlich für die Innenstädte, so Möller. Er habe es nach eigener Aussage zu seiner Aufgabe gemacht, ECE-Center zu verhindern. Ein von ihm initiiertes Gutachen zu den negativen Auswirkungen der Hamelner Stadtgalerie, das Möller am Samstag erwähnte, ist in wesentlichen Teilen durch ein Gutachten der GFK (Gesellschaft für Konsumforschung) widerlegt worden.

 

Der anschließende Rundgang durch die Hamelner Innenstadt, der auch vom neuen Stadtmanager Dennis Andres und vom Mindener ECE-Projektleiter Nikolaus Thätner begleitet wurde, führte die Besuchergruppe zunächst durch die Hamelner Bäckerstraße mit dem C&A-Kaufhaus und anschließend in das Center. Die dortige Fußgängerzone wird zurzeit ebenfalls neu gestaltet, was vom heimischen Einzelhandel sehr begrüßt wird.

 

Wolfgang Kaiser benannte beim Rundgang durch das Center aber auch Beispiele, aus denen Minden lernen kann und die in Hameln nicht optimal gelöst wurden, so die „verpasste Chance“, die nahe Weser einzubinden und die Parksituation auf dem Dach der Stadtgalerie. Hier hätte man, so Kaiser, beispielsweise zusätzlich eine Gastronomie einrichten können und einen attraktiven „Stadtbalkon“, wie er in der jüngsten Mindener Planungswerkstatt eingebracht wurde, gestalten können. Ein weiteres Problem in Hameln sei die ungünstig gelegene Erschließung des Parkhauses, hier komme es oftmals zu Rückstauungen der an- und abfahrenden Fahrzeuge.

 

 

Bildquelle: Pressestelle Stadt Minden

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