Der Sport in Minden während der NS-Zeit

Vortrag des Leiter des Mindener Museums, Philipp Koch, am Mittwoch, 24. April 2013, 19:30 Uhr im Alten Amtsgericht Petershagen.

 

Sport war und ist politisch

Die politische Dimension des Sports wird heute noch oft ausgeblendet, verdrängt oder sogar wissentlich unterschlagen. Der Sport sei in Gegenwart wie Vergangenheit „unpolitisch“, so die Meinung vieler Funktionäre, Aktiver oder des Sportpublikums. Einzig sportliche Ereignisse und Erfolge seien das, was zählt. Dabei war und ist der Sport ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Dies trifft gerade auf die Turn- und Sportbewegung im Nationalsozialismus zu. Der Prozess der Machteroberung nach dem 30. Januar 1933 war von einer breiten Massenloyalität in der Bevölkerung und verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen getragen. Die deutsche Turn- und Sportbewegung beteiligte sich aktiv an diesem politischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozess und war – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keineswegs ein „verführtes und gezwungenes Opfer“, als das sie sich nach 1945 gerne darstellte.

 

Beispiele aus dem Kreis Minden

Am Beispiel des Kreises Minden beleuchtet Philipp Koch, Leiter des Mindener Museums, am Mittwoch, 24. April, um 19:30 Uhr im Alten Amtsgericht Petershagen die Rolle der verschiedenen Sportverbände und einzelner Vereine sowie das Schicksal ausgewählter Sportler in der NS-Zeit. Die ersten Turnvereine waren in unserer Region bereits vor und im Kaiserreich gegründet worden. Nach dem Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik entwickelte sich sowohl in der Kreisstadt Minden als auch in den Städten und Dörfern des Umlandes eine breite Turn- und Sportbewegung von massenhaftem Charakter. Neben Fussball wurde dabei der Handball zur beliebtesten Sportart der Region, bei denen die Zuschauerzahlen teilweise die Einwohnerzahl einzelner Dörfer übertrafen oder das westdeutsche Endspiel 1930 zwischen Jahn Minden und TV Oppum sogar im neuen Medium Rundfunk übertragen wurde. Die nationalsozialistische „Machtergreifung“ veränderte die sportliche Landschaft einschneidend. Einerseits wurde die bisher intakte Arbeiterturn- und Sportbewegung schnell völlig zerschlagen. Andererseits passten sich die Turn- und Sportvereine der verschiedenen Verbände rasch den geänderten politischen Bedingungen an. Sozialdemokraten, Juden oder soziale Randgruppen und Minderheiten wurden systematisch durch die Vereine aus dem sportlichen Leben verdrängt, wenn sie nicht schon Opfer des nationalsozialistischen Terrors geworden waren. Für viele Menschen besaß der Sport jedoch eine höhere Bedeutung als die Politik. Ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus reichte von weit verbreiteter Überzeugung, häufiger Anpassung bis hin geringer Ablehnung und Widerstand. Auch der regionale Sport war von „voraus eilendem Gehorsam und Anbiederei“ geprägt, und wurde nicht von den Nationalsozialisten vereinnahmt.

 

Rahmenprogramm

Der Vortrag bildet den Auftakt zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Vergessene Rekorde. Jüdische AthletInnen vor und nach 1933“ die das Mindener Museum vom 21. April bis 25. August 2013 in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V., der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen und dem Kreissportbund Minden-Lübbecke e.V. zeigt.

 

Weitere Infos

Nähere Informationen unter www.mindenermuseum.de oder unter www.vergessene-rekorde.de

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