Petershäger Schilderkracher

Petershäger Schilderkracher

Bongos Abenteuer. Ihr kennt sie sicher, diese Verkehrsinseln, die mitten auf der Straße platziert sind und den Autoverkehr behindern – was sie wohl auch tun sollen.
Eigentlich nichts spannendes, wenn es dazu nicht eine Geschichte gäbe.
Ich habe mich einmal mit einer solchen Verkehrsinsel beschäftigt, denn mir war aufgefallen, dass eines der beiden Schilder auf einer bestimmten Verkehrsinsel in Petershagen jedes Jahr mindestens ein bis zwei Mal umgefahren wurde und weiterhin wohl wird.
Die Stadt lässt durch ihren Bauhof dann immer wieder das defekte Schild durch ein neues Schild ersetzen oder, wenn es noch nicht zu sehr verbeult ist, nur den Pfosten austauschen, was sicher auch nicht gerade sehr billig ist.

Es gibt da verschiedene Arten von Verkehrsinseln, solche, die einfach nur da sind und an denen man beidseitig vorbei fährt, solche um die man herum fahren muss oder solche, wie das hier der Fall ist, die eine abgesenkte Fläche für Fahrradfahrer und Fußgängern mittig haben, damit diese weniger gefährdet über die Straße zu kommen können.

Um solch eine Verkehrsinsel für Fußgänger und Radfahrer handelt es sich hier, denn die Insel steht genau im Kreuzungspunkt der Messlinger Straße und des Radweges. Sie soll wohl helfen, dass die Fußgänger und Radfahrer ohne größere Gefahr über die Straße kommen können, denn sie können auf der Insel warten. Dadurch brauchen sie beim Überqueren immer nur eine Seite der Straße im Auge haben. Klar, alle die da wohnen wissen, man darf nur 30 Km schnell fahren und was wohl auch sehr viele tuen. So bräuchte man eigentlich diese Insel nicht, denn das ist ja langsam genug. Aber es gibt da auch solche, die richtig Gas geben und mit hohem Tempo an der Insel vorbei brausen.

Ich habe es selbst mehrfach erlebt, dass Autofahrer, die hinter mir und meinem Fahrrad langsamer folgen mussten, da Gegenverkehr bestand, kurz vor der Insel dann beschleunigt haben und einfach links vorbei gebrettert sind obwohl ich kurz nach der Insel in eine Straße (Gartenringstraße) links abbiegen wollte und nur mit Glück nicht übergefahren worden bin.

So bin ich eigentlich nicht ganz sicher, ob diese Insel so wie sie ist auch das erfüllt, was sie eigentlich sollte: für mehr Sicherheit sorgen.

Auch diejenigen, die die Schilder immer umfahren, haben wohl ebenfalls Probleme mit dieser Insel und der Beschilderung, wie man ja öfter sehen kann.

Da habe ich doch einmal bei der Stadt nachgefragt, wie oft das Schild nun umgefahren wird, erneuert werden muss und was das kostet.

Meine Fragen:

  1. Wie häufig wurde das Schild in den letzten 5 Jahren umgefahren?
  2. Wie oft konnte/n der/die VerursacherInnen ermittelt werden?
  3. Wie hoch waren die Reparaturkosten in den letzten 5 Jahren insgesamt?
  4. Wer hat die Kosten übernommen?
  5. Was ist geplant, um in Zukunft diese Unfälle/Schäden zu vermeiden?

Die Antwort der Stadt Petershagen:

tatsächlich wird das Schild lt. Auskunft von Herrn Niemann (Chef des Bauhofes, Einfügung der Redaktion) 1-2 mal pro Jahr umgefahren und von den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs wieder aufgestellt.

„Sofern ein Verursacher ermittelt werden kann, wird Regress gegen ihn vorgenommen. Dies ist in ungefähr der Hälfte der Fälle der Fall.

Da keine externen Firmen beauftragt werden, stattdessen mit eigenen Kräften und Mitteln die Beseitigung des Schadens „im laufenden Betrieb“ erfolgt, sind die Einzelfallkosten nicht ausweisbar. Ich bitte insoweit um Verständnis.

Lösungsvorschläge werden gerne entgegen genommen, ein Verzicht auf das Schild stellt jedoch keine Option dar und evtl. Mehrkosten durch möglicherweise geeignetere Alternativen sollten in Relation zum betriebenen Aufwand bzw. den entstandenen Schäden betrachtet werden“.

Die Verkehrsinsel mit diesem Schild besteht nun schon seit mindestens 15 Jahren.
Obwoh zumindest gefühlt das Schild öfter umgefahren wird, sind das bei zwei Mal pro jahr in diesem Zeitraum immerhin 30 Neuaufstellungen.
Wenn die Hälfte ermittelt werden kann, dann bedeutet das, dass immerhin noch 15 von der Stadt bezahlt werden müssen.

Leider konnte die Stadt nicht sagen, wie teuer eine solche Reparatur ist. Wenn man der Antwort folgt, scheint eine Kostenkalkulation beim Bauhof unüblich zu sein. In dem Fall frage ich mich, wie dann überhaupt die Stadt dem jeweiligen Verursacher in den 15 ermittelten Fällen überhaupt eine Rechnung schreiben konnte.
Da kann man doch nur vermuten, dass eine solche nicht gestellt worden ist.

Eine Kostenkalkulation von mir:

Es wurden die günstigsten Angebote berücksichtigt.

1. Verkehrsschild 222, blau mit weißem Pfeil incl. Versand41,30 EUR
2. Leitbake 605-20 rot-weiß incl. Versand87,63 EUR
3. Schilderpfosten 1m incl. Versand 33,40 EUR
4. Bodenhülse ab46,80 EUR
5. Arbeitskosten 2 Pers. Incl. An-Abfahrt 3 Std. = 6 Std a ca. 50,-€300,00 EUR
Gesamtkosten:509,13 EUR

Somit kostet das Schild der Stadt bei nur zwei Mal Umfahren pro Jahr jährlich 1000,-€, folglich in den letzten 15 Jahren mindesten 15.000,-€ gesamt.

Da wäre so mancher Sportverein doch froh, wenn er das für die Jugendarbeit erhalten würde.

Was mir die Stadt nun nicht gesagt hat (aber jemand anderes)

Es wurde von Anliegern vermutet und angeblich auch gesehen, dass hauptsächlich das Schild von Anlieferfahrzeugen umgefahren würde, denn direkt an der Insel ist die Einfahrt für LKWs, die dort hauptsächlich rückwärts einfahren.

Anders als bei den normalen Schildern, hat man den Pfosten schon deshalb verlängert und mit reflektierender Folie ummantelt, was aber auch nicht das Umfahren verhindert. Es wäre doch schön zu wissen, wenn der Markt alle Reparaturkosten übernehmen würde.

Einmal ganz abgesehen von den rechtlichen und strafrechlichen Folgen: Bußgeld kann wegen Verstoßes gegen §9 Abs.5 StVO (Sorgfaltspflicht beim Rückwärtsfahren) verhängt werden oder bei Unfallflucht zusätzlich Führerscheinentzug.

Zwei Lösungsvorschläge

  1. Die Verkehrsinsel ganz entfernen, ersatzlos
  2. Die Verkehrsinsel ersetzen durch ein breites Kissen wie vor dem Gymnasium. Dann fahren Alle garantiert langsam und die LKW können problemlos in die Einfahrt einfahren.
    Dafür hätten die 15.000,-€ schon einmal genutzt werden können.

Aber wie wir wissen, hält nichts länger als die Gewohnheit.

„Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut, aber andere Resultate erwartet.“
Rita Mae Brown, 1983, deutsch: 1995

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