ON/OFF – Mit OMPRIS raus aus der Internetsucht

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Bochum (lwl). Für Menschen mit einer Internetsucht ist es schwierig, geeignete Therapiemöglichkeiten schnell und wohnortnah zu finden. Ein unkompliziertes und sehr niedrigschwelliges Angebot liefert das Internet selbst. Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat sich auf den Einsatz von telemedizinischen Online-Beratungsangeboten spezialisiert. In den nächsten drei Jahren wird eine Forschungsgruppe unter Leitung von Dr. med. Jan Dieris-Hirche, Oberarzt und Leiter der Medienambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum, ein neues webcambasiertes Angebot entwickeln und erproben: Onlinebasiertes Motivationsprogramm zur Förderung der Veränderungsmotivation bei Menschen mit Computerspielabhängigkeit und Internetsucht, kurz: OMPRIS. Finanziert wird das Projekt durch Mittel des Innovationsfonds Deutschland.

„Damit gehen wir beim LWL einen weiteren großen Schritt in Richtung Telemedizin und holen gleichzeitig betroffene und gefährdete Menschen unmittelbar im ‚Suchtraum‘ Internet ab. Ich freue mich, dass wir bei diesem bundesweiten Forschungsprojekt dabei sind“, sagt LWL-Direktor Matthias Löb.

„Die positiven Rückmeldungen zu OASIS (Online-Ambulanz-Service zur Diagnostik und Beratung von Internetsüchtigen) und die offizielle Anerkennung der Computerspielsucht als psychische Störung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai 2019 hatten uns bewogen, ein weiteres Hilfs- und Präventionsangebot zu planen“, formuliert Jan Dieris-Hirche die Beweggründe für das neue Forschungsprojekt. Im Schulterschluss mit sieben deutschen Projektpartnern soll bis zum Herbst 2022 ein telemedizinisches 4- bis 6-wöchiges, kostenloses Beratungsprogramm mit vielen psychologischen und medienpädagogischen Elementen konzipiert, angewendet und evaluiert werden. Bereits ab Frühjahr 2020 soll das Programm deutschlandweit im Einsatz sein und allen Betroffenen zur Verfügung stehen. „Erstmalig bieten wir Menschen mit problematischem Internetgebrauch ein umfassendes Beratungsprogramm an mit Elementen, die wir oftmals auch in Therapien mit unseren Patientinnen und Patienten in unseren Klinikräumen nutzen – mit Hilfe von OMPRIS, nur digital vor dem Bildschirm“, so Dieris-Hirche.

Etwa 2-mal pro Woche werden webcambasierte Kleingruppen und Einzelgespräche stattfinden, in denen die Teilnehmenden motiviert werden, ihren Alltag zu strukturieren und ihr Medienverhalten zu verändern. Zudem wird ein Sozialarbeiter bei Fragen rund um Themen wie zum Beispiel Wohnungssuche, Anträge auf Wohngeld oder Hilfe bei der ARGE webcambasiert beraten. Mit den beiden Schwesterprojekten OASIS und OMPRIS verfügt die LWL-Medienambulanz dann künftig über innovative telemedizinische Beratungsansätze, die ihre analogen Therapieangebote ergänzen.

Projektbeteiligte:
– LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (RUB), Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Dr. med. Jan Dieris-Hirche (Projektleitung und Koordination, Versorgung und Rekrutierung)
– TU München, Klinikum rechts der Isar, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Prof. Dr. med. Peter Henningsen (Versorgung und Rekrutierung)
– Psychosomatische Klinik Kloster Dießen, PD Dr. med. Bert te Wildt (Versorgung und Rekrutierung)
– Universitätsmedizin Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Dr. sc. Hum. Klaus Wölfling (Versorgung und Rekrutierung)
– Lehrstuhl für Medizinmanagement, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, PD Dr. med. Dr. rer. Pol. Anja Neumann, Dr. PH Silke Neusser (Evaluation)
– Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der RUB, Prof. Dr. Nina Timmesfeld (Biometrie und Evaluation)
– Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH (ZTG) Bochum, Rainer Beckers M.P.H., M.A. (EDV-Konzepte)

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