Tango tanzen

Top aktuell und wieder voll angesagt. Tango, Tango Argentino. Der Tanz der Tänze. Oft schon tot gesagt und früher bei uns mit dem Image eines Kurortbewegungsprogrammes: Morgens Fango abends Tango. Aber eben früher.
In Argentinien dagegen war er seit seiner Entstehung immer Volkssport, Volkstanz für Jung und Alt. Einst wurde der Tango von Einwanderern in den Hafenkneipen von Buenos Aires erfunden. Heute ein Tanz mit hoher Präzision, Ausdruckstiefe und Variationsbreite. Tango ist nicht nur ein Tanz, sondern eine Symbiose zwischen Musik, Gefühl und Bewegung.
Daniel Ranzulia, Musiker und einer der Gründer einer der wichtigsten Tanzklubs der neuen Tangoszene in Buenos Aires, „La Catedral“ [http://www.lacatedralclub.com], beschreibt das so:“
„Die Leute sehen im Tango wieder eine Lebensform“.
Aber auch im Ursprungsland des Tangos hatte dieser seine Krise. Viele Milongas (Tanzsäle) machten Pleite. In den 80er- und 90er-Jahren hörte die jungen Generation kaum Tangomusik oder tanzte dazu. Rock oder Pop war die Musik im Radio und in den Clubs.
Das hatte seine Gründe im verhängten Versammlungsverbot durch die argentinischen Militärdiktatur. In Buenos Aires konnte die Tangokultur nur im Untergrund gepflegt werden, da die Milongas, die Tanzveranstaltungen, auch lange Zeit verboten waren. Mehr dazu bei Wikipedia [http://de.wikipedia.org/wiki/Milonga]. Heute ist der Tango wieder in Buenos Aires zu Hause, und das aktueller denn je und auch mit einem neuen Sound.

 

Was ist Tango
Tanzen mit nur wenigen festen Regeln, mit der Freude am Improvisieren, am unmittelbaren Reagieren aufeinander – Tango ist ein getanztes Gefühl, das sich ausdrückt in den Bewegungen und Figuren der Tänzer, wobei der eher archaische Anspruch des Führen und Folgen scheinbar immer noch in unsere Zeit passt. Meist sind es die Männer, die Ihre Tanzpartnerinnen in Drehungen und Bewegungen setzen, denen diese fast träumerisch folgen, mitunter mit geschlossenen Augen. Abwechselnd von langsamen kunstvollen Bewegungen in schnelle aufeinander folgende figurale Kunstwerke schweben die Tänzer im Klang der Tangomusik über die Tanzfläche. Ein Genuss auch für die Zuschauer, die den getanzten Figuren und Bewegungen im Takt der Musik bewundernd folgen können.
Tango ist auch wunderschöne Musik, zum Tango gehören sehr schöne Tanzfiguren und ganz unkonventionelle Tanzveranstaltungen für alle, die Kreativität, Improvisation und sportliche Bewegung in Kombination mit der Musik lieben.

 

Die klassische Tangomusik
Das Repertoire reicht von den alten Tangos Eduardo Arolas über die Werke Francisco Canaros und Astor Piazzollas bis hin zu neuen Kompositionen von Anibal Troilo. Das Bandoneon, das Herzstück des Tangos, und das Klavier mit seinen vielfältigen Möglichkeiten verschmelzen zu einer wundervollen Klangharmonie: Tangos, Walzer und Milongas verschiedener Zeitepochen in authentischen und zeitgemäßen neuen Arrangements.

 

Neue Tangomusik
Tangomusik ist heute aber nicht mehr nur die klassische Musik der 30ger und 50ziger Jahre. Jazztango, Elektrotango, Bluestango sind einige neue Richtungen die im Tango Eingang gefunden haben und ganz neue Sounds geschaffen haben. Elektronische Musik, Rock, Hip-Hop fließen in den neuen Tangosound ein, der offen für die musikalische Welt von heute ist. Bands wie Tanghetto, Altertango, Gotan Projekt oder Dino Saluzzi Group haben einen völlig neuen Tangosound geschaffen.

 

Tango ist Weltkulturerbe
Unter dem Oberbegriff Tango wird laut wikipedia sowohl der Tanz als auch die Musikrichtung Tango verstanden. Dabei hat der Tango auch in der Dichtung und im Gesang eigenständige Ausdrucksformen hervorgebracht. Der Tango gehört seit September 2009 zu den Meisterwerken des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit der UNESCO, mit anderen Worten, er zählt zum Kulturerbe der Menschheit. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat sich der Tango in verschiedenen Formen von Buenos Aires aus in der gesamten Welt verbreitet. Zur Unterscheidung gegenüber dem (gelegentlich Europäischer Tango genannten) Standardtango des Welttanzprogramms wird die ursprünglichere (weniger reglementierte) Form des Tanzes und die zugehörige Musik weltweit Tango Argentino genannt. Zutreffender als die Benennung „argentinischer Tango“, durch welche die Uruguayer ausgeschlossen werden, wäre allerdings die Bezeichnung „Tango rioplatense“, also Tango vom Rio de la Plata. Eine solche begriffliche Unterscheidung ist in Argentinien selbst nicht üblich, dort spricht man in der Regel schlicht von Tango.

 

Tango tanzen heute
Der Tango wird sehr viel noch nach klassischem Muster getanzt. Der Mann führt, die Frau folgt. Aber der Tanz hat sich auch verändert – zum Beispiel ist die Rolle der Frauen viel aktiver. Männer und Frauen tauschen sogar die Rollen in manchen Milongas. Auch tanzen Frauen mit Frauen und mitunter auch Männer mit Männern, was einst der Ursprung war. Seinem Mythos wird der Tango auch in neuer Form nach wie vor gerecht: Sinnlichkeit und das Spiel mit Nähe und Distanz.

 

Führen und Folgen
Tango ist ursprünglich ein Macho-Tanz, wird ihm nachgesagt. Doch heute, hat man den Eindruck, es fällt den männlichen Schülern schwer zu führen. Für den Tanz die Verantwortung zu übernehmen. Da sollten die Männer mal wieder Männer sein.
Man sollte wissen, dass die Rolle des Führen wesentlich schwerer ist als die geführt zu werden. Die geführte Person, meistens die Frau muss großes Vertrauen entwickeln, denn sie tanzt meistens rückwärts und ist von der Qualität der Führung abhängig. Sie muss auf jede Bewegung eingehen, um eine harmonische Figur tanzen zu können. Die Frau spürt sofort, ob der Mann selbstbewusst ist oder nicht, eher introvertiert oder extrovertiert. Der Tango spiegelt die ganze Persönlichkeit – und verändert sie. Tango lernen, heißt neu leben lernen.

 

Führen ist nicht einfach. Keine Diskussion sondern die Führung initiieren ohne Worte nur durch die Körperbewegung. Die Tanzpartnerin zu etwas bewegen. Nach rechts oder nach links drehen – eindeutig, klare Entscheidungen zeigen. Wer das nicht macht stolpert mit seiner Partnerin vor sich hin. Flucht ist im Tango unmöglich: Der „Tango Argentino“ ist reine Improvisation. Ohne festgelegte Schrittfolgen, hinter denen die Tanzpartner ihre Unsicherheit verstecken könnten. Die Frauen, egal wie modern, unabhängig, selbständig sie auch sind, können hier nicht so tun, als würden sie gemeinsam mit dem Mann tanzen. Sie müssen die Führung anerkennen. Tango tanzt man nun mal zu zweit. Man muss dem anderen vertrauen. Mann und Frau müssen füreinander offen sein. Das macht die Sache so reizvoll, weil so einfach. SIE muss deutlich spüren, was ER will und führt.

 

Die Rollen sind indiskutabel und eindeutig. Einer führt, eine folgt.

 

Wie geht es weiter
Heute erleben wir eine unglaublich spannende Zeit.
Auch die junge Generation interessiert sich zunehmend für Tango. Sogar die 15- und 16-jährigen wollen wissen, was Tango ist – um ihren eigenen Tango zu machen.
An Unis und Schulen gibt es inzwischen Tanzkurse für Tango und zunehmend tauchen auf den Milongas (Tanzveranstaltungen) junge Tänzerinnen und Tänzer auf. Besonders in den Großstädten hat sich eine vielfältige Tangoscene entwickelt. Berlin gilt als Hochburg des Tangos, aber auch Köln, Hamburg und andere Großstädte verfügen über gute Tanzmöglichkeiten und Tanzschulen für Tango.

 

Tango in unserer Region

Hannover:
TangoMilieu: Sonntag 15:00 Uhr bis 22:00 Uhr, Mittwoch 20:30 Uhr bis 24:00 Uhr , Freitag 22:00 Uhr bis ca. 2:00 Uhr
Zur Bettfedernfabrik 1 in Hannover: http://www.tango-milieu.de

Tango Werkstatt: Samstags meistens von 16:00Uhr bis 21:00 Uhr, manchmal auch andere Zeiten
Weidendamm 28 in Hannover: http://www.tangowerkstatt-hannover.de

 

Bad Oeynhausen:
Druckerei: jeden letzten Sonntag im Monat, manchmal auch Zusatzangebote
http://www.tango-badoeynhausen.de

 

Herford:
Pausenlos Tango: Unregelmäßige Termine
Bielefelder Str. 40 in Herford: http://www.pausenlos-tango.de

 

Bielefeld:
Tanzschule Marcus Freitag: regelmäßig jeden Sonntag ab 20:00 Uhr
Herforder Str. 237 in Bielefeld: http://www.tango-bielefeld.de

 

Enger:
El Tranvia! Kleinbahnmuseum: Ca. drei Mal im Jahr eine Veranstaltung
Bahnhofstrasse 54 in Enger http://www.eltranviamilonga.blogspot.de

 

Tanzschulen:

Hannover, Minden, Hameln
Germán Cassano und Liliana Espinosa: http://www.tango-master.com

Bielefeld
Marcus Freitag: http://www.tango-bielefeld.de

Herford
Birgit Hohaus: http://www.pausenlos-tango.de

 

Tangostars in unserer Region

Germán Cassano und Liliana Espinosa sind Profis, waschechte Argentinier und seit 2000 in Deutschland. Die beiden repräsentierten jahrelang als Tanzlehrer und Choreographen das Kultursekretariat der Provinz Buenos Aires. Im Auftrag der Argentinischen Regierung vertraten sie im Jahr 2000 im argentinischen Pavillon der Expo in Hannover ihr Land. Viele weitere Engagements führte sie durch Europa. Letztlich blieben sie dann in Deutschland und wohnen nun in Hannover. Sie geben nun Tangounterricht und ihre Schüler schätzen die fröhliche und kompetente Art, wie sie ihr Können an die Schüler weitergeben. Sie zu erleben und als Tanzlehrer zu haben ist ein echter Gewinn.

 

Viele Auftritte haben zu vielen Videos bei youtube geführt, wo die Klasse der beiden zu sehen ist.

 

https://www.youtube.com/watch?v=EKsoinLmgh8
https://www.youtube.com/watch?v=0R-B5g4fbRU
https://www.youtube.com/watch?v=q1A4_YqBckw

 

Und nun kann man selbst bei den beiden Argentinern echten Tango Argentino lernen.

 

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2 Kommentare

  1. Schöner Artikel, interessant geschrieben, wenn auch in Nuancen etwas einseitig. Zum Beispiel sehr direkte Werbubng für ein bestimmtes Tanzlehrerpaar.Außerdem ist Führen nicht unbedingt sehr viel schwieriger als Folgen – eher gleich schwer. Und die Einstellung der Frauen in punkto gemeinsam tanzen, die du beschreibst, scheint mir fragwürdig. Aber du weißt ja, wer sich äußert, provoziert Kritik… also wirst du darauf gefasst sein. Unterm Strich ein toller Artikel, der viele neue Aspekte anreißt und neugierig macht. Was willst du mehr? LG, Maja

  2. Miuchas Gracias für den informativen Artikel. Hoffentlich weckt er die Neugier bei einigen Menschen im Mindener Raum und sie lassen sich auf das Abenteuer „Tango“ ein. Es wird ihr Leben in einer subtilen Weise bereichern, indem sie bis dahin ungeahntes Terrain betreten. Durch das Erlernen des Tangos gibt es auch viele nette Begegnungen in entspannter Atmosphäre.

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