Spiel(t)Räume, Konfettibombe und 150 Luftballons – 8. Deutsches Kinder-Theater-Fest in Minden „rundum gelungen“

8. Deutsches Kinder-Theater-Fest in Minden

Minden. Was mit einer riesigen Konfetti-Bombe am 27. September am frühen Abend begonnen hatte, endete am 30. September mittags mit 150 Luftballons, die mit den Wünschen von 150 Kindern im blauen Himmel über Minden verschwanden. Vier Tage lang war die Stadt Minden Gastgeberin für das 8. Deutsche Kinder-Theater-Fest, das zum ersten Mal überhaupt in Nordrhein-Westfalen und zum ersten Mal in einem Beispiel-Theater stattfand. Mitveranstalter waren die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Spiel und Theater NRW e.V. sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Spiel und Theater.

Das Fest in Minden stand unter dem Motto „Spiel(t)Räume“. Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren aus der Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Tschechien und China verzauberten das Publikum mit ihren Produktionen. Als Spielort mit besonderer Atmosphäre begeisterte das eigens gemietete Spiegelzelt.

Sechs von der Jury ausgewählte Stücke aus dem deutschsprachigen Raum sind an zwei Tagen im Mindener Stadttheater im Rahmen des 8. Kinder-Theater-Festes zu sehen gewesen. Darüber hinaus wurden auch internationale Produktionen und der Mindener Beitrag „Kleine Clowns und andere Katastrophen“ außerhalb der Konkurrenz gezeigt. Für die jungen Akteurinnen und Akteure gab es in allen Vorstellungen sehr lang anhaltenden Applaus, teilweise sogar „Standing Ovations“. Einen „Sieger“ hatte das Fest am Ende nicht, aber das war auch gar nicht vorgesehen.

Mit großem Stolz, erleichtert und noch ein wenig erschöpft zogen Theaterleiterin Andrea Krauledat und Theaterpädagogin Viola Schneider jetzt Bilanz: Das Festival war rundum gelungen, vier prallgefüllte Tage voller Theater, Träume und Tanz. Für uns Veranstalter*innen gab es wenig Schlaf und viel Freude. Wir können alle sehr stolz sein, dass das 8. Deutsche Kinder-Theater-Fest bei uns in Minden ,so besonders‘ stattgefunden hat – mit der internationalen Ausrichtung, dem wunderbaren Spiegelzelt und der außergewöhnlichen Juryzusammensetzung. Die Kinderjury war eine große Bereicherung nicht nur im Auswahlprozess der Stücke, sondern auch als Moderatoren und in der Begleitung während des ganzen Festivals.“ Insgesamt habe es viel Lob für das Organisationsteam und die Spielorte gegeben.

Zum Kinder-Theater-Fest gehört auch immer ein Begleitprogramm – mit Workshops für die Kinder, aber auch für Erwachsene, mit einem „Fest der Kinder“, Angeboten aus den Kulturinstituten, dem Kulturbüro und dem Sportbüro der Stadt Minden („Spielräume“) sowie eine Fachtagung mit dem Titel „Theaterspiel an der Grundschule – Von Anfang an“. Die Tagung richtete sich an Theaterlehrer*innen, Grundschullehrer*innen, aber auch Theaterpädagoginnen und –pädagogen, die im Bereich Grundschule tätig sind. Die Schirmpatenschaft hatten die Dokumentarfilm-Regisseurin Sigrid Klausmann (Projekt: „199 kleine Helden“) und ihr Ehemann, der Schauspieler Walter Sittler, übernommen.

Rund eineinhalb Jahre Vorbereitungen gingen für das 8. Deutsche-Kinder-Theater-Fest „ins Land“, dann war es endlich am 27. September soweit. Eine kurzweilige Eröffnungsveranstaltung stand am Anfang des Festivals, das auch von den Jury-Kindern mitgestaltet wurde. Erstmals überhaupt war die Jury, die im Vorfeld die eingereichten Stücke auswählt, die präsentiert werden sollen, mit Kindern besetzt – eine Premiere. Zur Jury setzte sich von Beginn an aus Vertreter*innen aller Verbände der Ständigen Konferenz „Kinder spielen Theater“ zusammen. Das Gremium nun war 2018 paritätisch mit Erwachsenen und Kindern besetzt.

Die Vertreterin und der Vertreter vom Bund und vom Land – beide förderten das Fest – sowie die Beigeordnete der Stadt wurden auf dem roten Sofa von den Jury-Kindern Niobe Eckert und Leo Pape interviewt. Dabei kam heraus, dass die Fachreferentin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Uta-Christina Biskup, wahnsinnig gerne ins Theater geht, und dass es für sie sehr wichtig ist, dass Kinder für Kinder spielen. Referatsleiter Uwe Schulz vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Fachreferat für „Ganztagsbildung und Kulturelle Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe“) gestand auf die Frage von Leo Pape, was er denn gerne mal auf einer Bühne spielen würde: Ein „schöner Prinz“. Die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit, Regina-Dolores Stieler-Hinz, wäre gerne eine Elfe, wenn sie auf der Bühne stünde und sich die Rolle aussuchen könnte.

Sigrid Klausmann stellte in ihrem Grußwort bei der Eröffnungsveranstaltung ihr aktuelles Projekt „199 kleine Helden“ vor. In dem Dokumentarfilm kommen Kinder aus aller Welt zu Wort und stellen ihre Sicht der Dinge vor. Die jedes Interview umfassende Klammer ist der Schulweg. Sie stellte heraus, wie wichtig es ist „den Kindern eine Stimme zu geben“. In anschließenden Short-Cuts (kurzen Szenen) stellten die Jury-Kinder dann die sechs ausgewählten Stücke vor – bis am Ende des Festivals-Anfangs die große Konfetti-Bombe stand, die den Saal und die Bühne in bunte Schnipsel tauchte.

Alle sechs ausgewählte Stücke begeisterten das Publikum. Das waren: „Seni Seviyorum. Nur Worte?“ vom Staatstheater Oldenburg, „Die rote Zora“, der Theatergruppe Jugendhaus Alte Schmiede, Minden, „Endlich“ der Jungen Akteure vom Theater Bremen, „Die schrecklichsten Kinder der Welt“ von der Theaterschule Goldoni Berlin, „Doppelgänger“ von der Gruppe das Pack, Albert-Einstein-Schule, Groß-Bierberau, „Wenn er fällt, dann…“ von der Gruppe Spaßnockerl, Theater am Ortweinplatz/Graz.

Aber auch die Mädchen und Jungen der Grundschule „Eine Welt-Schule aus Minden“ sorgten mit ihren „Kleinen Clowns“ am Donnerstag und Sonntag im „Spiegelzelt“ für rührige Momente und Spaß. Mit roten Nasen ausgestattet zauberten, tanzten und spielten sich die Kinder in die Herzen der Zuschauer*innen. Die Kinder der Liu Haisu-Grundschule aus Changzhou/China setzten am Sonntag (Familientag) einen Farbtupfer mit ihren bunten Kostümen, ungewohntem Gesang und Tanz sowie eingespielter Musik. Die 13 Mädchen im Alter von acht bis elf Jahren zeigten in drei Vorstellungen Auszüge aus der „Peking Opera“, die von Oliver Lübker vom Vorstand des „Trägervereins Partnerschaft Minden-Changzhou“ anmoderiert wurden. Er strich heraus, dass es dem Verein und der Stadt wichtig ist, auch die Kultur der 8.000 Kilometer entfernten Partnerstadt nach Minden zu bringen.

Dass man ein Stück auch ohne die Sprache zu können, verstehen kann, bewiesen die Mädchen und Jungen aus der Tschechischen Republik vom „Tanecni Studio Light“ mit dem Stück „Wir waren fünf“. Der Autor erinnert in dem Stück in verschiedenen an seine unbeschwerte Kindheit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Auch für diese Leistung und Spielfreude gab es donnernden Applaus kurz vor dem eigentlichen Abschluss am Sonntag, 30. September, im Stadttheater.

„Vom dem Kinder-Theater-Fest ist nach dem Fest“, getreu dieser Aussage gaben Michael Assies vom Bundesverband Theater in Schulen (BVTS) und Katrin Ötting (Theater Lübeck) bei der Abschlussveranstaltung bekannt, wo das 9. Kinder-Theater-Fest im Jahr 2020 stattfindet: Ausrichterin wird der BVTS, Austragungsort das Theater Lübeck sein. Minden ist ausdrücklich aufgefordert worden, sich mit einem Stück zu bewerben. Und natürlich überlegen die engagierten Macherinnen des Stadttheaters bereits, in welcher Form das sein könnte.

Bildnachweis: © Pressestelle der Stadt Minden

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