LWL-Industriemuseum zeigt Glas des frühen 20. Jahrhunderts aus Murano

Vase mit drei Henkeln, Maestri Vetrai Muranesi Cappellin & C., 1925-1928. Foto: Luca Masarà

Le forme del vetro

Petershagen (lwl). Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gelten als erfolgreichste und innovativste Phase der Glasproduktion Muranos. Die Gläser aus den Hütten der venezianischen Inselgruppe sind heute Klassiker und werden auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt ab Sonntag (8.4. | Eröffnung 15 Uhr) in seinem Industriemuseum Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) einen repräsentativen Querschnitt von Gläsern dieser prägenden Phase. Mit der Ausstellung knüpft die Glashütte Gernheim an die 2014 gezeigte Schau zum venezianischen Glas des 19. Jahrhunderts an. Diesmal steht die Formgebung im Mittelpunkt – daher auch der Titel „Le forme del vetro“ (Die Formen des Glases). Kurator der Ausstellung ist der italienische Kunsthistoriker Aldo Bova.

LWL-Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus erklärt die Bedeutung der Epoche: „Die Glashütten Muranos lösten sich Anfang des 20. Jahrhunderts von den überlieferten Gestaltungen des vorhergehenden Jahrhunderts und entwickelten eine aus heutiger Sicht moderne Formensprache. An die Stelle üppiger Dekore und detailreicher Applikationen trat nun eine reduzierte Gestaltung mit klaren Konturen und oft monochromen Glasmassen.“ Zu den bekanntesten Gestaltern der Epoche gehören Vittorio Zecchin und Napoleone Martinuzzi. Beide Entwerfer schöpften aus der Tradition, orientierten sich aber an den klar konturierten Gläsern des 16. und 17. Jahrhunderts und an antiken Glastypen. „Sie stilisierten diese historischen Vorbilder zu räumlich geometrischen Hohlkörpern und passten sie so dem neuen Stil an“, so die Museumsleiterin.

Die Gläser der Ausstellung zeigen das spannungsreiche Verhältnis zwischen Tradition und Neuschöpfung, wie sie sich in jener Zeit auch andernorts entwickelte. So verbindet die besondere Formgebung und die Materialität die Muraneser Produktion mit den zeitgenössischen Formen des „Neuen Stils“ in Österreich und Deutschland oder des Art Déco, wie er ein Jahrzehnt später in Frankreich aktuell wurde.

Eröffnung

Bei der Eröffnung am Sonntag (8.4.) um 15 Uhr begrüßt Monika Schnieders-Pförtzsch, stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, die Gäste. Grußworte sprechen Landrat Dr. Ralf Niermann sowie Bürgermeister Dieter Blume. Eine Einführung geben Kurator Aldo Bova und Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus.

Begleitprogramm

Wer mehr über die Kunstwerke aus Italien erfahren möchte, kann sich den kostenlosen Sonntagsführungen anschließen. Termine: 6. und 13. Mai, 17. Juni, 29. Juli, 19. August, 23. September und 7. Oktober, jeweils 15 Uhr (nur Eintrittsgeld).

Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehören der Thementag „Jugendstilornamente“ am 13. Mai und der „Thementag Battuto“ am 15. Juli. Vor den Augen der Besucher werden am Ofen die gläsernen Rohlinge dieser venezianischen Technik hergestellt, die an einem weiteren Thementag im September in der Schleiferei bearbeitet werden. Abgerundet wird das Programm durch Vorträge von Dr. Gerd Dethlefs zum Thema „Façon de Venise-Gläser – Gläser nach venezianischem Vorbild in westfälischen Sammlungen“ (21.7.) von Dr. Verena Wasmuth (8.9.) über „Virtuose Raritäten aus Murano. Richtungsweisende Tendenzen im Glasdesign des frühen 20. Jahrhunderts“ sowie einem italienischen Gartenfest am 26. August.

Le forme del vetro

Glas des frühen 20. Jahrhunderts aus Murano

8. April bis 7. Oktober 2018
LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Gernheim 12 | 32469 Petershagen
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr
http://www.lwl-industriemuseum.de

Bildquelle: Luca Masarà

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